Freitag, 14. August 2026

Die Straßenbahn hatte keinen Strom und ich irrte wieder einmal herum

 Gestern war ich im ersten Bezirk in Wien. Ich freute mich, weil ich den 60er gut erwischt hatte und das ließ mich hoffen, rechtzeitig zu S zu kommen. Noch dazu gab es wenig Fahrgäste. Zu früh gefreut. In Speising wurde der Zug eingezogen. Alle aussteigen bitte! Danach längeres Warten auf den nächsten Zug. Der war natürlich voll und weil nun auch die anderen Fahrgäste ebenfalls einstiegen, die man so wie mich aus dem Zug geschmissen hatte, war er gleich gestopft voll. 

Trotzdem bekam ich noch einen Sitzplatz. Neben mir war noch ein Platz frei. Eine junge Frau mit einem großen Hund setzte sich. Der Hund hatte keinen Beißkorb, was niemanden zu stören schien. Das wunderte mich, aber mich störte das auch nicht. Er war sehr brav. Umsteigen. Die U-Bahn war nicht so ganz überfüllt. Wieder umsteigen. Ich irrte an der Haltestelle Landstraße herum, auf der Suche nach der U3. Das ist einfach nur irre. Treppe rauf, Treppe runter, Treppe rauf, Treppe runter, um die Ecke, wieder runter. Mein tägliches Sportpensum hatte ich somit eigentlich schon erfüllt. 

Ich war spät dran. Endlich die U3 gefunden. Die wenigen Stationen waren schnell abgefahren. Aussteigen. Aber wohin weiter? In welche Richtung? Natürlich in die falsche. Google musste helfen und tat es auch. Schließlich ging ich auch noch ins falsche Haus. Dabei stimmte die Hausnummer eigentlich. Statt nach links, ging ich nach rechts, das war alles. Mehrere Anrufe, schließlich trafen wir einander im Parterre, nachdem ich im falschen Haus im 3. Stock gelandet war und wieder hinunter musste. Zum Glück gibt es einen Aufzug. 

Nun kam mein neuer Blutdruckmesser wieder zum Einsatz. Wir verglichen die Ergebnisse. Wieder keine Übereinstimmung. Meiner zeigte immer einen niedrigeren Wert an. Schon wieder! Dann maßen wir gleichzeitig an meinen beiden Armen. Die Werte stimmten überein. Einfach unglaublich.

Nun ging es weiter, zur Ärztin, in den 1. Bezirk. Wieder mit der U-Bahn. Diesmal viele Leute, Gedränge, Hitze. Endlich hatten wir das Ziel erreicht und stiegen aus. Weiter ging es zu Fuß. Wir kamen pünktlich an, weil wir ziemlich schnell gingen. Hätten wir nicht zu machen brauchen, wir mussten warten. Sie war spät dran.

Danach ging es wieder zurück. Ich fahre ja nicht oft mit den Öffentlichen, aber wenn ich damit fahre, ist immer irgendetwas nicht so wie es sein sollte. Die letzten Male fuhr die U4 nur bis zum Karlsplatz, wegen Gleisarbeiten. Aber natürlich nur innerhalb der Zeit, zu der ich unterwegs war. Das war jetzt nicht mehr der Fall. Die U-Bahn machte keine Schwierigkeiten, aber wieder viele Leute, jedoch kein Gedränge. Eine junge Frau saß schräg gegenüber von mir. Sie hatte die Zahl 88 auf ihren Körper tätowiert und einige kurze Sprüche die ich nicht lesen konnte, weil ich die falsche Brille auf hatte. Sie wird damit doch nicht ... das wäre verrückt. Mein Opa hatte auf dem Unterarm einen riesigen Anker tätowiert. Immer wieder erklärte er mir, ich solle mich niemals tätowieren lassen, denn wenn es einem nicht mehr gefällt, wird man es nicht mehr los. Vielleicht hätte der Opa der jungen Dame das auch kommunizieren sollen. 

Soweit war also alles in Ordnung, bis ich die U-Bahn verließ und in den 60er einstieg. Der fuhr nicht weiter, sondern zurück! Zum Glück hatte ich es noch rechtzeitig bemerkt und stieg wieder aus. Dann hörte ich die Durchsage: Stromausfall bei der Straßenbahn. Ein LKW hatte vermutlich die Oberleitung beschädigt und nun gab es keinen Strom. Die Straßenbahn stand still. Das würde bis 19 Uhr dauern.


 Ich wollte zuerst mit einem Bus fahren, aber was oben als Fahrziel angegeben war, ließ mich zweifeln. Wer weiß wo ich da landen würde. Also ging ich lieber ein Stück zu Fuß, vorbei an der haltenden Straßenbahn, bis zu dem Haus, in dem die Mullahs sich verbarrikadiert haben. Es gibt vor der schönen Villa einen riesigen Zaun, davor steht ein Bewacher, den wir Steuerzahler bezahlen dürfen. Eigentlich eine Frechheit. 

Dort stieg ich dann doch in einen Bus, in der Hoffnung, er sei der richtige. Es gab ein schreckliches Gedränge. Ein alter Mann stand mit einem großen Zaunteil und einer Tasche voller Blumen gleich beim Einstieg und behinderte die Leute, die sich über ihn aufregten aufregten. Keine Chance, er blieb stur dort stehen. Ich war nervös weil ich nicht wusste, wo ich landen würde. In letzter Zeit bieten mir immer wieder Leute einen Sitzplatz an. Schau ich so fertig aus? Ich lehnte dankend ab, weil ich lieber am Sprung bleiben wollte, sollte ich aussteigen müssen. Ein kleines Kind machte vorne Lärm. Kein Wunder, alles war beängstigend. Der alte Mann mit dem Zaun regte sich als Einziger darüber auf. Einige Frauen gaben ihm kontra.

 Natürlich gondelte der Bus durch die Gegend. Zum Glück brachte er mich doch in die Richtung, in die ich wollte. Dann stieg ich zur Sicherheit bei einer Haltestelle aus die ich kannte, weil ich fürchtete, er würde ab da nicht mehr weiter in meine Richtung fahren. Vermutlich war das auch gut so. Nun stellte ich mich zu einer Bushaltestelle und wollte einen anderen Bus nehmen, als ich zum Glück bemerkte: hier fuhr der 60er an mir vorbei! Endlich. Gerettet! Ich konnte mich nicht mehr verfahren. Leider musste ich auf den nächsten warten, aber das störte mich nicht mehr. Das Schönste war: er war fast leer. 

Ich schrieb K von meinen Erlebnissen. Am Abend antwortete sie: Bei der S-Bahn Praterstern haben die Kabeln gebrannt. In der Nacht vorher. Als sie unterwegs war, hatte man schon die Strecke geschlossen. Die Reparaturen werden Wochen dauern. 

Was ist mit unseren Öffis los? Ich glaube ich fahre in Zukunft entweder mit dem Auto, oder gar nicht.



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